Johanniskirche Plauen


Die Johanniskirche zu Plauen ist die Urkirche der Vogtlandes. Ihre Anfänge reichen zurück in das 12. Jahrhundert. Bis heute markiert sie als Ephoralkirche das kirchliche Zentrum des sächsischen Vogtlands. 

Gut recherchierte Informationen zur Geschichte der Johanniskirche Plauen finden sich im entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Hier finden Sie Informationen zu allen Kunstwerken der Kirche, zu unserem Nord-Turm (und Führungen!), zu den Glocken und zur Orgel.

Was die Johanniskirche über den Glauben erzählt.
(eine geistliche Kirchenführung)

Die Johanniskirche Plauen erhebt sich weithin sichtbar auf einem Bergsporn inmitten der Stadt Plauen. Ihre zwei Türme ragen in den Himmel und zeigen unübersehbar an, worum es bei einer Kirche geht: Eine Verbindung zwischen Erde und Himmel, zwischen Menschen und Gott herzustellen. Eine Kirche dient der Versammlung der Gemeinde auf ihrem Weg zu Gott. „Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott“ (Apg 2,46).


Wir betreten die Kirche durch das im schlichten frühgotischen Stil gestaltete Nordportal. Es ist der Stadt und den Menschen zugewandt und steht in der Regel jeden Tag für Besucher offen. Das Kirchenportal ist ein Sinnbild für die Himmelspforte und erinnert an den Ausruf Jesu (Mt 7,13): „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!“


Ins Innere der Kirche getreten wird der Blick der Besucher zuerst nach oben gelenkt – auf das spätgotische Sternengewölbe. Es symbolisiert den Himmel Gottes, der sich schützend über den Menschen erhebt und sich mithilfe der Pfeiler hinabreckt, um die Menschen in die Nähe Gottes aufzunehmen. Man möchte mit dem Psalmbeter ausrufen (Ps 144,3): HERR, was ist der Mensch, dass du dich seiner annimmst, und des Menschen Kind, dass du ihn so beachtest?“


Wer dann auf einer der vom Ende des 19. Jahrhinderst stammenden hölzernen Kirchenbänke Platz nimmt, sieht vor sich den Altarraum der Johanniskirche. De Raum wird von dem spätgotischen Altarschrein aus der Zeit um 1500 dominiert. Mit seinen beiden geöffneten Seitenflügeln wirkt der Schrein wie ein geöffnetes Tor. Es ist das Tor zum Paradies bzw. in den Himmel Gottes. Es ist offen, damit Gott zu den Menschen kommt, wie in Psalm 24 besungen (Ps 24,9.10): „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.“


Das Altarbild erzählt davon, wie der Himmel sich für den Menschen öffnet. Durch das geöffnete Himmelstor, sehen wir auf einen goldglänzenden Hintergrund mit Lilienblüten; Gold und Blüten symbolisieren den Himmel bzw. den Paradiesgarten. Von dort treten drei Heilige auf die in der Kirche versammelte Gemeinde hinaus. Sie darf sich aufgrund ihres Glaubens auf die Begegnung mit den Heiligen freuen, die da kommen  - wie der Apostel Paulus schreibt: "Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann, wie auch wir sie zu euch haben, 13 dass eure Herzen stark und untadelig seien in Heiligkeit vor Gott, unserm Vater, wenn unser Herr Jesus kommt mit allen seinen Heiligen. Amen." (1. Thessalonicher, 3,12.13) 


In der Mitte sehen wir Maria als Himmelskönigin; sie trägt auf ihrem linken Arm den Sohn Gottes zu den Menschen als wolle sie sagen: „Jesus Christus – für Euch gegeben, damit der Himmel für euch offen steht. „Er, der in göttlicher Gestalt war … entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt“ (Phil 2,6.7).


Und tatsächlich sehen wir an der Frucht, die das Kind in der Hand hält, welche Bedeutung es hat. Um das zu verstehen, muss man allerdings zuvor einen Blick auf den heiligen zur Rechten der Madonna werfen. Es ist Johannes der Täufer, der Vorläufer Jesu Christi und Namenspatron unserer Kirche. Seine rechte Hand zeigt auf das auf einem Buch sitzende Lamm in seiner linken Hand und zugleich auf das Kind in den Armen der Maria. Damit ist sein Ausspruch über Jesus ins Bild gesetzt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Joh 1,29).


Jetzt erkennen wir, um welche Frucht es sich in der Hand des Jesuskindes handeln muss. Es ist die Frucht, die Adam und Eva einst im Paradies genossen haben, obwohl es Gott verboten hatte. Mit dieser Frucht kam die Sünde in die Welt. Das Wort „Sünde“ bezeichnet allerdings nicht in erster Linie eine unrechte Tat oder einen unrechten Gedanken; sondern „Sünde“ bedeutet den Zustand der Trennung von Gott: Der Mensch ist wesenhaft von Gott getrennt, sein Vertrauen in ihn ist schwach. Durch den Genuss der verbotenen Frucht wurde das bei Adam und Eva sichtbar. Als Konsequenz wurden Adam und Eva – also der Menschen an sich – aus dem Paradies verstoßen. Jetzt aber trägt Jesus Christus – „das Lamm Gottes“ – die Sünde; sie trennt nicht mehr von Gott. Die Tür zum Paradies steht wieder offen. Der Mensch ist eingeladen, sich auf den Weg zu dieser Tür – auf den Weg in den Himmel Gottes bzw. in das Paradies zu machen. „Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt“ (Röm 5,18). Es gilt die Zusage, die Jesus dem mit ihm hingerichteten Verbrecher am Kreuz machte: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43).


Der Weg in den Himmel Gottes führt zunächst über den Taufstein. Unser Taufstein stammt auch aus der Zeit um 1500 und steht im Altarraum vorne links. Er hat ein tiefes Becken. Man kann erkennen, dass damals die neugeborenen Kinder zur Taufe ganz in das Wasser eingetaucht wurden um sie anschließend aus der Taufe zu heben in das neue, ewige Leben. Wie Jesus aus dem Grab auferstanden ist in ein neues Leben – so ist der getaufte Mensch aus dem irdischen und endlichen Leben herausgehoben in das himmlische und ewige Leben. Die Sünde, die von Gott trennt, ist abgewaschen durch das Bad der Taufe. Der Apostel Paulus schreibt dazu: „So sind wir mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln“ (Röm 6,4).


Von der Taufe führt der Weg zum Altartisch. Hier wird das Heilige Abendmahl gereicht. Die Gläubigen empfangen mit Hostie und Weinkelch den Leib und das Blut Jesu Christi. Das wird durch das Bild in der Predelle des Altarschreins gezeigt: Wir sehen, wie der Leib des gekreuzigten Christus ins Grab gebettet und zugleich der Gemeinde präsentiert wird: „Christi Leib und Blut für Euch gegeben.“ Bei der gottesdienstlichen Mahlfeier vermengen sich Christi Leib und Blut untrennbar mit dem Menschen, der die heiligen Gaben empfängt. Der Mensch ist durch Jesus Christus selbst geheiligt und würdig, in das Paradies bzw. den Himmel einzutreten. Somit ist das Heilige Mahl eine Stärkung auf unserem Lebensweg, der durch unseren Alltag draußen vor der Kirche führt und dessen Ziel bei Gott liegt. „Wir sind geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Hebr 10,10).