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Gemeindebrief August/September 2026
"Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“
Das ist der Monatsspruch für den September aus Prediger 4,6.
In den Versen beklagt der Verfasser die Zustände seiner Zeit. Es muss ziemlich schlimm gewesen sein, denn er schreibt auch: „Da pries ich die Toten, diE schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben haben.“
Und er nennt als Grundübel den Neid der Menschen aufeinander.
Auch ich höre in diesen Tagen immer wieder das Klagen der Menschen, dass die Zeiten immer schlimmer werden. Aber gab es denn jemals eine Zeit, wo es wirklich gut war? Wo wir Menschen miteinander so umgegangen sind, wie es richtig wäre - liebevoll und das Wohl des anderen im Blick habend? In der DDR- Zeit jedenfalls war das nicht der Fall. Auch wenn die viel gelobten Beziehungen immer wieder hervorgehoben werden: Wir waren doch aufeinander angewiesen und haben einander gebraucht. Vergessen wir nicht das Bespitzeln, die Misswirtschaft, die Jugendwerkhöfe, die vielen Verurteilungen wegen Republikflucht usw. Von der Zeit des Nationalsozialismus brauche ich gar nicht erst zu schreiben.
Und klar, können wir klagen. Die Krisen der Welt hören nicht auf und beeinflussen unser Leben. Die Geburten sind zu gering, es gibt Ärzte- und Fachkräftemangel. Die Weltlage macht uns Angst.
Aber nur die Fäuste zu ballen und auf die da oben und die Weltlage zu schimpfen, bringt uns alle und uns selbst keinen Schritt weiter. Die Angst setzt sich fest und frisst an uns und lässt uns unruhig werden.
Wir brauchen Vertrauen: In Gott zuerst, dass er der Herr der Welt ist, der nicht das Verderben will. In die anderen Menschen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben, ihre Geschichten und Verletzungen. Und in uns selbst. Denn ich kann die anderen nicht verändern. Ich kann nur bei mir anfangen.
Und ein Anfang wäre, einen liebevollen, dankbaren Blick auf die Welt zu wagen und einzuüben. Reden wir darüber mit anderen: Dass wir in einem der sichersten Länder der Erde wohnen, dass wir jeden Tag satt werden, dass wir sagen und lesen können, was wir wollen, unser Leben gestalten können. Ich wünsche ihnen eine Hand, die auch die Not der Ärmsten nicht vergisst. Eine Hand, die versorgt und einlädt und immer ausgestreckt ist. Denn mit geballten Fäusten verändern wir die Welt nicht zu einem besseren Ort im Sinne Jesu.
Eine Hand voll mit Ruhe, ein Herz voller Liebe, das wünsche ich Ihnen in dieser Sommerzeit. Dass Sie ganz viele schöne Dinge entdecken in diesen Zeiten, für die Sie dankbar sein können.
Pfarrerin Ellen Meinel
















